Herzogtum Falkenstein

Die Falkensteiner Akademie

Die Falkensteiner Akademie


Einleitung

"Hohe Akademie der sieben freien Künste zu Neu-Falkenstein", so nennt sich das höchste Lehrinstitut im Herzogtum. Die "Akademie", wie sie umgangssprachlich verkürzt wird, wurde 5 nT von Bernhelm von Burgenwacht gegründet, der bis heute das Amt des Rektors inne hat. Sie wurde errichtet auf dem Gelände eines ehemaligen Rittergutes, in der Nähe der Reichsstrasse in der Baronie Neu-Falkenstein. Die Ausbildung steht grundsätzlich jedem Falkensteiner Bürger offen, praktisch werden jedoch nur männliche Studenten aufgenommen, meist solche von Stand oder Söhne wohlhabender Bürger, die die Kosten eines Studiums an der Akademie bestreiten können.


Lehrplan

Die Akademie bietet eine umfassende Ausbildung in den sieben freien Künsten an. Diese bestehen aus den Lehren des Trivium:
  • Grammatik
  • Rhetorik
  • Logik

und dem Quadrivium:
  • Arithmetik
  • Geometrie
  • Musik
  • Astronomie

Die sprachlich-logischen Fächer des Triviums und die eher naturphilosphischen Fächer des Quadrivium bilden zusammen die Kanonische Lehre, die neue Studenten in einem zweijährigen Studium durchlaufen. Am Ende dieser Zeit sucht der Student sich eines der Fächer aus, um darin unter der Anleitung des Lehrers eine wissenschaftliche Arbeit zu verfassen, oft durch Zusammenfassung und Neuordnung bestehender Quellen, aber auch durch die Bearbeitung neuartiger Ansätze, Theorien und Gedanken. Wird die Qualität der Arbeit als ausreichend angesehen, hat der Student den Baccalaureus Artium des jeweiligen Faches erworben. Dekan Tobenbeer besitzt beispielsweise drei Baccalaureae: der Logik, der Rhetorik und der Arithmetik.

Neben diesen Fächern bietet die Akademie auch weitere Studien an, die einem jungen Mann von Stand, Geist und Kultur wohl anstehen, wie verschiedene Leibesübungen, darunter das Reiten, Fechten und Tanzen, aber auch gesellschaftliche Lehren und religiöse Erziehung.

Im Anschluss an das Baccalaureat kann der Student sich weiter spezialisieren in einem von drei aktiven Forschungsgebieten der Akademie: der Juristerei, der Medizin und der Philosophie. Der Fachbereich Medizin ist dabei das jüngste der drei Gebiete, erst vor zwei Jahren konnte der Dekan auf dem Hoftag die nötigen Mittel beschaffen für Gebäude und Lehrkräfte. Die Lehre umfasst das Studium der Anatomie, der galenischen Humoralpathologie und der Temperamentenlehre. Kräuterkunde und alchemische Arznei sind unlängst als Lehrfächer hinzugekommen, ein großer Seziersaal, Kräutergarten und verschiedene Labore füllen den neuen Lehrtrakt.

Der Fachbereich Philosophie ist der zahlenmäßig stärkste der Akademie, viele Studenten, die sich eher im Quadrivium heimisch fühlen, setzen hier ihre Studien fort. Neben der Geistesphilosophie, die die Natur und das Wesen des Menschen ergründen will, erfreut sich gerade der Bereich der Naturphilosophie immer größerer Beliebtheit. Die Naturforscher der Akademie streifen überall durch das Land, erforschen den Boden, die Tiere, den Himmel und alles, was ihnen beobachtenswert erscheint. Sie legen in den Minen Palatias die Grabrichtungen fest, sie erkunden und kartographieren die Inseln vor Kappeln, sie studieren die Bewegungen der Himmelskörper, um die Genauigkeit der Zukunftsvorhersage zu verbessern.

Der Fachbereich Juristerei legt strenge Maßstabe an seine Studenten, nur durch akademische Exzellenz und Wohlverhalten kann man dort dem vorzeitigen Ausschluss entgehen. Daher haben die Studenten dieses Bereiches den Ruf, Frohsinnsverachtende Spaßverderber zu sein, doch wer das jahrelange Wälzen von Gesetzestexten, Regeln und Anleitungen erfolgreich durchgestanden hat, darf sich auf eine komfortable und wohl dotierte Stelle in der öffentlichen Verwaltung der Ministerien von St. Georg oder privat in einem der Geldhäuser oder bei einem ranghohen Adeligen freuen.

Dieses zweijährige Studium wird durch eine dreimonatige, angeleitete Forschungsarbeit abgeschlossen, die sowohl einen praktischen wie auch einen theoretischen Teil beinhaltet. Am Ende wird dem Studenten dann der Titel des Magisters verliehen. Eine berühmte und viel zitierte Magisterarbeit stammt von Baccalaureus Artium der Logik, Wilhelm Franz Karolus Mückeburg von Ährfeld, der mit dem Traktat: "Von der Wirtschaft Falkensteins" den Titel eines Magisters der Juristerei erworben hat.

Die meisten Studenten verlassen mit dem Baccalaureus die Akademie, nur etwa ein Drittel verbleibt für das anstrengende und zeitaufwändige Magisterstudium. Unter den Magistern sind wiederum einige wenige, die danach die höchste Akademische Würde anstreben, die im Institut erworben werden kann: der Titel des Doktors. Dazu verbringen die Absolventen zwei weitere Jahre in der Forschung in einem der drei Fachbereiche. Die Akademie ist berühmt für ihr Doktorandenprogramm, dem große Geldsummen für innovative Forschung zur Verfügung stehen. Die schnelle Behandlung von Wunden im Feld mittels einer Quecksilbertinktur, die Neustrukturierung der Vergabeverfahren der Hafenbehörde St. Georg und die bemerkenswerte Entwicklung des Puddelverfahrens zur Stahlerzeugung, all diese bahnbrechenden Erkenntnisse entstammen der Forschung an der Akademie.

Strukturen

Auch wenn Bernhelm von Burgenwacht der Rektor der Akademie ist und es sich bis zum heutigen Tage nicht nehmen lässt, gelegentlich selbst Vorlesungen zu halten, wird die Akademie im Tagesgeschäft von ihrem Dekan geleitet, Enders Michel Tobenbeer. Tobenbeer, der trotz seiner Jugend bereits den Rang eines Doktors der Jurisprudenz und ganze vier niedere Titel hält, hat sein Leben und Wirken ganz dem Erwerb und der Weitergabe von Wissen verschrieben. Er gilt als brilliant und verschroben und schon so manches mal hat man ihn morgens schlafend in der Bibliothek der Akademie gefunden, das Gesicht auf dem Pergament irgendeines Folianten.

Die sieben Künste werden von Lehrern unterrichtet, die sich auf jeweils eines der Fächer spezialisiert haben. Von ihnen wird erwartet, selbst führend auf ihrem Gebiet zu sein, statt nur den Lehrstoff abzuspulen.

Die Lehrkräfte für das Magisterstudium sind zahlreich und gleichzeitig höher angesehen als die sieben Lehrer der freien Künste. Jeder Fachbereich umfasst mehrere Lehrstühle, denen jeweils ein Professor vorsteht. In jedem Fachbereich ist dabei einer der Professoren als primus inter pares mit der Leitung des Fachbereiches beauftragt.

Der Fachbereich Juristerei umfasst beispielsweise vier Lehrstühle:
  • Verwaltungsrecht
  • Brauchtums-, Standes- und Fehdrerecht
  • Strafrecht
  • komparative Rechtspflege
Der letzte dieser Lehrstühle befasst sich unter anderem mit der Anknüpfung und Abgrenzung der Falkensteiner Rechtsordnung an das höhere Recht des Ostreiches oder widersprechender Rechtssysteme in anderen Herzogtümern.

Die Akademie hat ihren Sitz in einem weitläufigen Gebäudekomplex in Sichtweite der Reichsstrasse in Neu-Falkenstein. Das Turmhaus, ehemals Wohnsitz des ansässigen Ritters, ist nun die Heimstatt des Rektors, der Dekan bewohnt den weniger opulenten ehemaligen Gesindeflügel. Das Refektorium und der Hauptvorlesungssaal bilden das Zentrum der Akademie, in dessen Obergeschoss Festakte und Bälle stattfinden. An beiden Seiten, einen weiten Hof umschließend, fügen sich die Gebäude für die Fachbereiche Philosophie und Juristerei an. Aufgrund der großen Anzahl philosophischer Lehrstühle hat dieses Gebäude schon zwei Anbauten erhalten und die weniger bedeutenden Mitglieder des Kollegiums müssen mit Räumlichkeiten in anderen Gebäuden Vorlieb nehmen. Der neue Trakt für den Fachbereich Medizin wurde auf der anderen Seite des Refektoriums errichtet, neben den Gebäuden für die Knechte und den Stallungen. Die Platzierung führte schon zu großem Unmut unter den Studenten der Medizin, die sich dadurch zurückgesetzt fühlen.

Die Studenten wohnen, so sie von Stand sind und eigene Diener an die Akademie mitgebracht haben, in kleinen Appartements, Gemeine haben Zimmer in den Wohnhäusern. Es haben sich verschiedene Studentenbünde gebildet, die miteinander in Konkurrenz stehen um die Mitgliedschaft bedeutender Studenten, und oft ihre Treffen im Rahmen wilder Saufgelage zelebrieren. Kurz nach der Gründung der Akademie führte ein Streit zwischen Anhängern unterschiedlicher Studentenbünde zu einem Duell und folgerichtig zu einem Todesfall, seitdem sind schlagende Verbindungen offiziell verboten, in der Praxis folgen aber noch alle Verbindungen der Tradition.

Obwohl die Akademie eine Strecke Weg von der nächsten Ansiedlung entfernt ist, haben sich in der Nähe einige geschäftstüchtige Bürger niedergelassen, die unter anderem die Studenten mit Papier, Tinte und anderem Studienmaterial versorgen, aber auch durch den Ausschank von geistigen Getränken die langen Abende verkürzen. Obwohl es offiziell untersagt ist, werden auch andere fleischliche Genüsse und unter der Hand sogar Rauschmittel und andere verbotene Substanzen feil geboten.


Gesellschaftliche Bedeutung

Bei ihrer Gründung noch als Narretei eines exzentrischen Adeligen verlacht, entwickelte sich die Akademie über die Jahre zu einem Eckpfeiler der Bildung und Kultur der bessergestellten Schichten des Herzogtums. Die anfänglichen Jahrgänge zeichneten sich nicht gerade durch akademische Brillanz aus, da die frühen Jahrgänge häufig mehr Zeit in der Schenke verbrachten als über ihren Büchern. Erst mit der Bestellung des Dekans Tobenbeer hat der Anspruch der Prüfungen steil zugenommen und nach anfänglichen Protesten nicht ausreichend geistesbefähigter Adelssprösslinge hat auch die Ernsthaftigkeit des Studentenkorps im Hinblick auf die Studien entsprechend zugenommen. Das soll nicht heißen, dass die Schankstuben abends nicht gut besucht wären, aber die dauernden Exzesse mit nachfolgend leeren Hörsälen sind ein Ding der Vergangenheit.

Innerhalb des Falkensteiner Adels findet der aufmerksame Beobachter eine deutliche Zweiteilung. In den küstennahen Baronien ist es üblich, wenigstens einen Sohn an der Akademie ausbilden zu lassen, weiter im Landesinneren ist es dagegen weniger üblich, Ritterssöhne mit einem Baccalaureus Artium der freien Künste zu finden. Aus Weidquell hat bislang noch niemand die Akademie besucht, aus Heideweit nur wenige, und aus Eichenhain und Greifenheim ebenfalls nur eine Handvoll. Der Neu-Falkensteiner Adel sucht beständig den Schulterschluss mit den Küstenbaronien, aber seine Sprösslinge werden von ebenso wie die anderen Studenten aus dem Landesinneren als kulturlos und ungebildet angesehen. Gerade die Magnusbrunner und Herzogsstolzer sehen gern auf die Hinterwäldler herab.

Aber auch Gemeine suchen die Akademie auf, Söhne von Handels- und Bankherren und den Besitzern der St. Georger Manufakturen. Sie sehen die Studien oftmals weit ernster als die Adelssöhne, da von einem guten Abschluss manchmal ihre Laufbahn abhängt. Meist findet man sie im Fachbereich Juristerei, wo sie auf die Führung und Verwaltung des Familienbetriebes vorbereitet werden.
Zum Ausbruch des Winterkrieges ging eine Welle der Entrüstung durch die Studentenschaft, und schnell bildete sich ein Korps aus Freiwilligen, die sich schließlich dem Expeditionskorps anschlossen, das auf dem Weg nach Osten die Reichsstrasse herabmarschierte. Bei Eichstädt standen die Freiwilligen dann das erste Mal in der Linie und erlitten hohe Verluste, darunter auch zahlreiche Studenten der Akademie. Nach dem Ende des Krieges verließen weitere Studenten das Institut, um die Nachfolge ihrer Väter anzutreten oder andere familiäre Pflichten zu übernehmen.

Heute sind die adeligen Studenten fast zu einer Minderheit geworden, die Hörsäle sind halb leer und die ausgelassenen Abende in den Tavernen dem dumpfen Brüten über dem Bierkrug gewichen. Es wird zur Zeit diskutiert, die Gebühren des Studiums zu senken, oder den Studenten Kredit zu gewähren, um die Studentenzahl wieder auf einen Wert anzuheben, der den wirtschaftlichen Betrieb der Akademie sicherstellt.

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